Studio Archäologie

Kalksteinscheiben

 

Schwarz auf Weiß

Das Rätsel der Steinzeitscheiben aus dem Blautal

Bis 31. Januar 2021 I Studio Archäologie

 

Seit 2011 gehören sie zum UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, die Ruinen eines 6000 Jahre alten Dorfes aus der Jungsteinzeit im Tal der Blau bei Ehrenstein nahe Ulm. Durch die Lage im feuchten Talgrund waren die Reste der Holzhäuser hervorragend erhalten. Bei Ausgrabungen 1952 und 1960 wurden 15 Gebäude in Teilen freigelegt. Der Umfang der Siedlung konnte 2014 durch Bohrsondagen auf über 9.000 m2 ermittelt werden. Nach den Jahrringdaten der Bauhölzer war das erste Dorf im Jahr 3955 v.Chr. erbaut worden – nach mehreren Bränden und Wiederaufbauten wurde es knapp 100 Jahre später bereits wieder verlassen.

Unter den zahlreichen geborgenen Gegenständen aus Stein, Knochen, Geweih und Keramik fällt eine Fundgruppe besonders auf: flache, annähernd runde Scheiben verschiedenster Größe aus Kalkstein mit einer doppelten Durchlochung in der Mitte. Auf einer Seite sind sie randlich mit geradlinigen oder zu Dreiecken angeordneten strahlenförmigen Mustern verziert. Diese waren ursprünglich mit einer schwarzen Paste ausgefüllt, so dass die Muster deutlich zur Geltung kamen. Neben fertigen Exemplaren, oft mit Gebrauchsspuren, liegen jede Menge Rohlinge und unvollendete Stücke vor. Offenbar wurden diese Scheiben nur in diesem Dorf hergestellt und benutzt.

Sie stellen die archäologische Forschung bis heute vor ein Rätsel: Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt der rund 200 Scheiben und geht – auch mit Hilfe der experimentellen Archäologie – der spannenden Frage nach ihrer Deutung und Verwendung nach.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation (Halbleinen gebunden, 80 Seiten, 73 Abbildungen, 14.80 €) mit Beiträgen von Fabian Haack, Sabine Hagmann, Wulf Hein, Helmut Schlichtherle, Kurt Wehrberger & Johannes Wiedmann. Diese kann ab sofort über den Museumsshop bestellt werden.

Abbildung: Steinscheiben aus der Grabung, 1960, Durchmesser max. 6,9 cm; Foto Landesmuseum Württemberg, H. Zwietasch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.